Mauro

Fotos: Jens Moiré

Mauro

Hallo Maurizio, schön das du Zeit gefunden hast. Erzähl doch ein wenig über dich. Wer bist du, was tust du?
-> Ich selbst würde mich als Überlebenskünstler bezeichnen, als jemanden, der versucht seinen Weg zu finden. Ich habe viele Baustellen, daher ist die Frage schwer zu beantworten was ich eigentlich mache. Auf alle Fälle mache ich Kunst. Wenn ich was sehe was mir gefällt, würde ich es gerne mit etwas anderem verbinden, und es in einem eigenen Glanz stehen lassen. Das kann Musik betreffen, Textilien, egal was.

Was tust du gerade? Studierst du, arbeitest du? Wenn ja, was? 

-> Ich versuche momentan wieder Struktur in mein Leben zu bekommen. Dadurch, dass ich mich so auf meinen Livestyle spezialisiert habe, also mein Label in die Gänge zu kriegen, gleichzeitig Veranstaltungen zu machen, Klamotten zu designen, blieb natürlich einiges auf der Strecke. Das Ganze habe ich aber jetzt pausiert, weil ich noch eine Stufe weiter möchte mit den Sachen, und das kostet Zeit für neue Gedanken. Also bewege ich mich derzeit hauptsächlich in der Gastro und bin Serviceleiter in einem Edelrestaurant. Back to the roots, sozusagen. Ich bin durch meine Eltern praktisch darin aufgewachsen. Da ich Italiener bin und mein Vater ein Restaurant hatte, bin ich mit der Gastro großgeworden und habe mich bis heute mich ständig darin bewegt.

Was machst du gerade musikalisch?
-> Momentan bin ich darauf spezialistiert aus allen möglichen Musikrichtungen Tracks rauszusuchen und sie in Deephouse zu verwandeln. Vocals und Riffs aus Melodien, z.B aus Country und mit Deephouse Baselines zu vermischen.

Hast du irgendwas online?
-> Gerade leider nicht. Es wurde mir mein Studio geklaut und daher ist fast alles weg. Aber ich baue es wieder auf und meine erste EP wird bald folgen.

Dein Label heißt “Dreckiges Schwarz”. Was ist das für ein Label?
-> Es ist ein Deephouse-Kommunelabel. Ich biete Künstlern eine Plattform sich darauf zu präsentieren, weiterzuentwickeln und mit den anderen Künstlern fusionieren können. Ich bin gerade dabei alles nochmal ein wenig umzukrempeln und ein Team aufzubauen, weil ich gemerkt habe, dass ich mich nicht nur auf Musik spezialisieren möchte, sondern auch auf Kunst, Mode, Fotografie, etc. “Dreckiges Schwarz” wird dann zugleich ein Modelabel werden. Die Klamotten werden vom Stil her ziemlich plane, mit verrückten Schnitten, ohne Druck, und wenn, dann all over, nichts filigranes, ziemlich klare Strukturen, eine Mischung zwischen maskulin und feminin, aber in erster Linie für Männer und mit anderen Modelabels zusammen arbeiten. Und es werden auch Parties unter dem Namen veranstaltet.

Wann wird man was von den Klamotten sehen können?
-> Gegen März oder April, wenn es wieder wärmer wird, weil es in erster Linie Shirts und Hosen werden, aus sehr lockerem, feinen Stoff. Dann in Verbindung mit Musik-Ep’s von Dan Grassler und Milan Euringer.

Was hat es mit den Namen “Dreckiges Schwarz” auf sich?
-> Jeder kennt es ja, wenn man lange feiern war, Glitzer im Gesicht hat und total durch aussieht, auf einmal auf die Uhr schaut, sich denkt “Fuck, ich muss in 2 Stunden in der Arbeit sein. Wie schaue ich eigentlich gerade aus?” So fuhr ich also an einem Tag nach Hause, sprang unter die Dusche, legte mir meine Klamotten zurecht, stellte mich ne halbe Stunde später wieder hin, und auf einmal sah ich wie geschniegelt aus, und man sah mir einfach nicht an, was ich die letzten 40 Stunden gemacht hatte. Ich hatte nicht mal mehr Augenringe, weil ich diesen Kulling-Stift auftrug. Und da stand ich nun mit nem Hemd und nem Mantel vor nem Spiegel und dachte mir einfach nur “Ist das ein dreckiges Schwarz…”. “Dreckiges Schwarz” steht also für das Doppelleben.

Erzähl was über die Parties, die du veranstaltet hast.

-> Bisher liefen die unter “Dreckiges Schwarz” mit den Namen “Lametta Baretta” und “Traum wird Wirklichkeit”. Am 22.12.2012 wird die nächste im Pathos sein, mit Mollono Bass.

Was erwartet einen bei den Veranstaltungen? Was macht sie besonders?
-> Es wird alles ziemlich trashig. Wir machen viel mit Visuals, Dekoration und Animatoren. Wir arbeiten mit den verschiedensten Materialen was die Deko betrifft und versuchen eine Traumwelt für die Leute zu erschaffen, wo sie sich wohlfühlen können, auch wenn sie sich davor in dem Laden evtl nicht so wohlgefühlt haben.

Ist schon eine Homepage online?
-> Ja, jedoch wird die nochmal ganz neu gestaltet (dreckigesschwarz.com). Gegen Ende des Jahres wird die dann stilgerecht und ausgereift sein. Es gibt natürlich auch eine Facebookseite, die ihr schonmal liken könnt.

Glaubst du das jeder Mensch das schaffen kann was er will?
-> Schwierige Frage, grade bei einem knapp an der Misantropie vorbeigerutschten Menschen wie mir, der ja auch ne Abneigung gegen viele hatte, weil ich früher 140kg wog, und man da die Gesellschaft aus verschiedenen Punkten sieht. Nicht jeder ist alternativ, aber es kommt auch einfach darauf an was man will, und ich glaube, wenn man ein Ziel hat und es verfolgt und sein ganzes Herz dafür aufopfert, und einfach nicht aufgibt, und noch wichtiger, das Durchhaltevermögen hat, dann kann man es schaffen. Gerade wenn man einen speziellen Wunsch hat, ist das Leben oft steinig und schwer, und da kommt es eben darauf an, ob man mit dem ganzen Druck klarkommt, ob man man mit den Niederlagen klarkommt, ob man immer wieder aufstehen kann wenn man hinfällt, und wie oft man wieder aufstehen will. Einige Menschen, die sich ihren Zielen richtig geopfert haben, scheitern irgendwann daran, dass sie sich selbst killen. Denn ab einem gewissen Punkt bekommt man auch Existenzangst und schiebt Paranoia, dass man das nicht mehr erreicht. Aber wenn man weiterkämpft, kann man auch irgendwann darauf stolz sein, dass man nicht aufgegeben hat. Vorallem sollte man auch auf dem Boden der Tatsachen bleiben. 15.

Wie hast du dich immer wieder hochgepusht?
-> Ich war selbst auch mal an dem Punkt, an dem ich nicht mehr wollte. Aber einige Zeit später habe ich erkannt, was ich verpasst hätte. Dadurch bin ich an den Punkt gekommen wo ich sage, dass mir sowas nie wieder passieren wird. Das Leben ist ein Spiel, man kann gerne aussteigen wenn man will, das ist ok.Aber wenn man sieht was man an schönen Sachen erlebt hätte, die einfach so nie passiert wären, dann lohnt es sich weiterzumachen. Noch dazu kommt, dass ich mir selbst ein ganz großes Ego aufquatschen, mit vielen Frauen schlafen musste, um mir einfach die Bestätigung zu holen, dass ich es Wert bin. Ich habe sehr viel Bestätigung von außen gebraucht. Ich konnte mir nicht immer alles selbst aneignen. Wenn es mir schlecht ging, konnte ich das auch so lösen, dass ich sehr gepflegt auf die Strasse ging und mir was Gutes tat. Und gerade in den Phasen in denen es mir nicht gut ging und man mir nicht ansah in was für einer Situation ich war, da habe ich Bestätigung von den Menschen bekommen, weil ich so ein hartes Leben habe, aber dann so ein Auftreten, -das hat mich dann motiviert weiterzumachen und mich aus dem Tief rausgeholt. Man muss sich immer wieder Etappen setzen und sich bei jeder dieser Etappen sagen “Hey, ich hab’s geschafft!”, sich immer wieder selbst motivieren. Man muss sich auch motivieren, wenn man mal kein Geld auf dem Konto hat, denn andere sind 10.000€ im Minus, oder haben eine tödliche Krankheit. Es ist total schön gesund zu sein, ein einigermaßen gutes Leben zu haben und gut auszusehen. Man darf sich selbst nicht aus den Augen verlieren.

In welchen Bereichen würdest du dich noch gerne ausprobieren?
-> Ich würde gerne eine Rolle in einem Film spielen.

Was für eine Rolle?
-> Ich sehe mich in jeder Rolle, sei es eine Komödie, ein Drama, oder ein Actionfilm. Ich wäre dann nicht der Typ der die mega Stunts macht, sondern eher eine straighte Rolle spielt. Vielleicht ein wenig so eine respekteinflößende Rolle. Wie gesagt, dadurch das ich in meinem Leben ja schon alles durchgemacht habe, kann mich in jede Rolle gut einfügen. Ich hatte Action, hatte Drama, hatte Spaß.

Gibt es Menschen, die dich inspirieren?
-> Nein. Ich habe von jedem Menschen gelernt, den ich in meinem Leben kennengelernt habe. Und egal ob berühmt, alle sind gleich. Nur weil Menschen berühmt sind und es leichter haben sich auszuleben, respekte ich sie dadurch nicht mehr.

Was macht einen Menschen für dich interessant?
-> Naja, ich muss schon zugeben, ich bin selbst schon ein wenig oberflächlich. In erster Linie ist es der Stil den jemand hat. Der sollte ausgeprägt sein. Dann ist es was ein Mensch von sich gibt, und wenn er weiß was er will. Ich finde es scheisse wenn mir Leute erzählen, dass sie keine Ahnung haben was sie machen wollen, dass sie studiert haben, total planlos sind was sie jetzt machen wollen usw. Alles was ich tue ist ein kleiner Schritt auf mein Ziel, also Erfolge zu haben mit dem was ich mag, und davon alles weitere zu finanzieren. Ich will kein Haus mit 15 Zimmern, und irgendwie einen auf MTV-Cribs machen oder so, und ich verbinde auch Gegenstände nicht mit Emotionen. Ich habe eigentlich das wichtigste vom Wichtigsten. Was will man mehr? Vielleicht ein schöne Frau oder hier und da ein paar mehr.

Glaubst du an Übernatürliches?
-> Ich weiss, dass es das gibt. Ich würde sagen mein Leben ist so kompliziert, aber wenn ich mich jetzt noch mit dem ganzen Esotherikshit auseinandersetzen würde, könnte ich mich gleich einweisen lassen. Das wäre zu viel des Guten. Ich kann nur sagen: da draußen gibt es mehr als ihr euch vorstellen könnt.


Bist du glücklich mit dem was du machst oder würdest du gerne was ändern? Wenn ja, was?
-> Naja, meine oberste Lebensdevise ist: bereue nichts. Ich bin glücklich mit dem was ich tue, weil ich in meinem Leben viele neue Sachen anfange, bzw. von einem Becken ins nächste springe, und mit jedem Mal mehr Erfahrungen sammle, was mich zunehmend abhärtet. Und mittlerweile ist es so, wenn mir was schlimmes passiert, drückt mich das nicht mehr runter, weil ich das Gefühl habe, dass ich schon all die krassen Sachen erlebt habe die man so erleben kann. Also war ich öfter pleite, es gab Zeiten, da hatte ich 5.000-6.000€ in der Hosentasche, ich war kurze Zeit kriminell, hatte einige Zeit keine Wohnung, etc etc. Und in den Zeiten in denen ich z.B. total pleite war, haben mir die Menschen gezeigt, dass sie doch zu mir halten. Mein Leben ist ein reines Kontrastprogramm, so habe ich mein Leben aufgebaut, um von allem die beiden Seiten zu kennenzulernen. Ich bin kein Mensch, der ein großes Wissen hat, aber jemand der viel Halbwissen hat. Ich weiß über die wichtigsten Sachen bescheid, will sagen ich habe mir in meinem Leben immer die wichtigsten Sachen angeeignet, die ich brauche um meiner Meinung nach der Typ zu sein, der ich sein will. Aber das was ich sein will, kann man einfach schwer in Worte fassen.Es ist schlicht ein Bild das ich vor Augen habe, und irgendwann werde ich sagen “Wow, das ich ein Deja-vu”, und dann habe ich es wahrscheinlich erreicht.

Kann man sich noch freuen, wenn man schon alles erlebt hat?
-> Das Schöne daran ist, daran das ich noch so jung bin, hat man einfach ab einem gewissen Punkt so eine gewisse Abgebrühtheit, und ich finde man kann die Sachen viel mehr genießen. Überraschungen sind schön und gut, aber es ist auch gut zu wissen was einen im Endeffekt erwartet, so kann man auch ein bißchen mehr den Verlauf von dem was einem passiert steuern, als könnte man ein paar Stunden in die Zukunft sehen. Durch die Dinge die man schon erfahren hat, kann man den Algorithmus des Ganzen erkennen, und sich dann also denken “Ok, wenn ich das und das mache, dann wird das und das daraus resultieren, und aus diesem dann wieder dieses und jenes”. Ich habe also immer mehr Spaß, gerade dadurch das ich immer mehr Plan von allem habe und wie gesagt einfach alles kenne und erfahren habe, was vieles ein bißchen nicer macht. So fühlt man sich wohler und nicht mehr fremd.

Wie würde es dir damit gehen, nur eine einzige Sache zu machen und dich darauf zu spezialisieren?
-> Ich muss schon sagen, dass ich ein wenig neidisch bin auf so manchen Nerd, wenn ich sehe was sie für ein krasses Wissen über eine Sache haben, das ist schon was tolles, aber da liegt mir wahrscheinlich mein eigenes Brain im Weg. Mein Kopf geht einfach in tausend Richtungen. Es fällt mir viel zu schwer bei einer Sache zu bleiben. Ich versuche mir mein Leben lang ne Station aufzubauen, und kämpfe darauf hin ein Nerd zu werden, aber schaffe es nicht so richtig, weil mein Leben mir einen Streich spielt, entweder weil ich in ner verrückten Beziehung stecke, oder meine Wohnung verliere, oder sonstige Sachen. Ich würde auf jeden Fall gerne mal ein Nerd in einer Sache sein. Aber ich denke das würde auch jeder ganz gerne.

Was sind die Dinge, die du in deinem Leben unbedingt gemacht haben musst?
-> Es gibt nur noch die krassere Ausführung von dem, was ich bisher schon erlebt habe. Ich bin grade am besten Punkt meines Leben angekommen, weil ich alle bisherigen Erfahrungen kombiniere.

Versuche wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet zu werden. Was stellst du an? -> Hab schon einiges gemacht, aber es war nie ein Bulle in der Gegend. Wegen vögeln wahrscheinlich.

Dein Lieblingszitat?
-> “Non, rien de rien. Non, je ne regrette rien”. Oder von Robert Anton Wilson “Wenn Videospiele unsere Kinder beeinflussen würden, würden wir in 20 Jahren, durch dunkle Räume irren, Elektronische Musik hören und bunte Pillen fressen.”

In welche Zeit würdest du gerne reisen, wenn du könnest?
-> Vieles was ich tue, wäre vor 50 Jahren um einiges krasser angekommen. Aber da hätte ich natürlich die Angst, ob ich mich so entwickelt hätte, wäre ich damals geboren worden. Ich hätte gerne diese ganze Hippiezeit miterlebt und in den 80ern noch ein wenig die Musik mitgestaltet.

Was wolltest du schon immer mal loswerden?
-> Es kotzt mich an, dass wir uns emotional nicht öffnen können, weil wir sonst als zu sensibel gelten, dass wir immer stark sein müssen, dass die Gesellschaft es uns einfach nicht erlaubt schwach zu sein, und wir nicht so sein können, wie wir sind.

Wenn dir die ganze Welt für 5 Minuten zuhören würde, was würdest du sagen?
-> Ich will das gar nicht. Es kann sich nicht jeder damit identifizieren was ich denke.

Hast du eine Frage vermisst, über die du gerne gesprochen hättest?
-> Wie weit würdest du gehen, um deine Ziele zu erreichen? Und? -> Über Leichen (Zwinker)

Ich danke dir vielmals für das Interview, hat mich gefreut. ->
Mich ebenso. Danke.

> “Dreckiges Schwarz” presents “Traum wird Wirklichkeit”.
>> 10.11.2012 im Pathos Transporttheater mit Dan Grassler und Milan Euringer