Pussy Riot- Die Punks vom Dienst

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Pussy Riot- Die Punks vom Dienst

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Februar 2012: Vor und hinter dem Altar „tanzen“ vermummte Gestalten Pogo. Man hört Rufe und Verwünschungen gegen die Regierung und die Geistlichkeit. „Die Kirche ist die Scheiße Gottes!“ Heilige Scheisse, Scheisse, des Herrn Scheisse!“ Nach wenigen Minuten ist der Spuk in der Moskowiter Christus-Erlöser-Kathedrale, einer von Russlands ehrwürdigsten Kirchen, vorbei. Vielleicht hätte kaum jemand Notiz von dem seltsamen „Auftritt“ der „Punkband“ Pussy Riot genommen, doch die Provokateure wollten die öffentliche Konfrontation mit dem Staat, den sie so hassen, und so stellten die Verantwortlichen ihren sorgsam mitgefilmten Hausfriedensbruch noch am gleichen Tag ins Internet.

Pussy Riot suchten den Prozess und sie bekamen ihn. Urteil: 2 Jahre Verwahrung. Ohne Proberaum. Soweit so gut, so klar, und eigentlich so voraussehbar. Das eigentlich Überraschende war, dass der Prozess eine weit größere Anklageerhebung auslöste; binnen Stunden und nun schon über Monate hinweg erhob sich aus dem westlichen Ausland eine Welle des Protestes, die nicht auf die Richter und Staatsanwälte zielte, sondern, exakt wie Pussy Riot es beabsichtigt hatten, gegen die Staatsführung, den Kreml: Das Weltgericht eröffnete seine Pforten. Und auf der Anklagebank saß nur einer, Wladimir Putin, Abbild des schrecklichen Iwan, Vergewaltiger der Freiheit und – sinnbildlich – eben jener jungen Frauen, die gegenwärtig Russlands bekannteste Musikband bilden. Die ikonisierenden Bilder der Verhafteten, die laut wiederkehrenden Agenturberichten in der Christus-Erlöser-Kathedrale doch nur „ein Gebet gesprochen“ hatten, gingen um die Welt. Ungefällige Fotos ihres Widersachers ebenfalls. Schwarz gegen Weiss. Alter Täter gegen junge Unschuld.

Nichts könnte der Wahrheit ferner liegen. Erst wenige Jahre zuvor hatte Nadezhda Tolokonnikova, an deren Schlusswort sich die transatlantische Meinungsführung so delektierte, nackt und hochschwanger an einer gleichfalls mitgefilmten Spontanorgie in einem gutbesuchten Moskauer Museum teilgenommen. Die unerbetene „Performance“ war von der radikalen „Künstler“Gruppe Voina inszeniert worden, mit der Pussy Riot durch Mitgliedschaftsüberlappungen nahezu identisch erscheint. Voina, zu deutsch schlicht „Krieg“, hat Polizeiwagen in Brand gesetzt, Personal von FastFoodKetten mit lebenden Katzen beworfen. Voina führt Krieg in Russland, gegen Religion, Gesellschaft Politik.

Daher ist die Frage interessant: Steht jemand anderer hinter Pussy Riot und Voina, der diesen Feldzug unterstützt? Tatsächlich ist das der Fall.

Als Erstunterzeichner der Petition zur Freilassung der russischen Punkband agieren heute Ludmila Alekseeva, Vorsitzender des „Committee for Defense of Freedom of Conscience”, das wiederum von der „Moscow Helsinki Group“ finanziert wird – hinter der wiederum das in Washington beheimatete National Endowment for Democracy” (NED) steht. Das, Überraschung, auch Voina unterstützt. Überraschung zweiter Teil: „The National Endowment for Democracy“ wurde von niemand geringerem als der CIA gegründet. Ziel der Taufhebung im Jahre 1980: Aktionen des amerikanischen Geheimdienstes zu verschleiern. In diesem Sinne übernahm NED seitdem eine wichtige Rolle bei Umsturzbewegungen in Ländern, die sich dem Einfluss Washingtons entzogen – und sollte daher besser National Endowment Against Democracy genannt werden. Die Außenministerin der Clinton- Zeit, Madeleine Albright, ist Chefin des NED und des NDI, einer mit dem NED verbundenen Gruppe. Sie erklärte Anfang letzten Jahres frank und frei, dass das NED in Ägypten bereits engagiert gewesen sei, ehe Mubarak gestürzt wurde, um die Zeit danach vorzubereiten. Auch der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer arbeitet für die US- Eingreiftruppe – jener ‘Grüne’, der den Kosovokrieg als ‘humanitäre Mission’ verkaufte. Erwähnenswert wäre an dieser Stelle noch, dass Oksana Chelysheva, die die Unterstützungskampagne für Pussy Riot leitet, ein Mitglied des NED-Steering Commitees ist. Sie agierte in der Vergangenheit ebenfalls als stellvertretende Direktorin des NED-finanzierten „Russisch-Tschetschenischen Freundschaftsgesellschaft“, einem ominösen pro-extremistischen Zirkel. Darüber hinaus hat Chelysheva durch ihre Führungsrolle Verbindungen zu anderen – von der US-Regierung bezuschussten – Gruppen, wie dem „Finnish- Russian Civic Forum“ und dem „EU-Russia Civil Society Forum“.

Deren hintergründiges Steuerungselement ist der vorbestrafte Spekulant und Multimilliardär George Soros. Dieser Joker im geopolitischen Spiel des Pentagon stampfte nach dem Mauerfall Hunderte sogenannter Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) aus dem Boden, die alle mehr oder weniger stark mit der politischen Agenda Washingtons verwoben sind. Soros hat die ganze Welt mit einem Spinnennetz von Gruppierungen überzogen, die unter dem Deckmantel von Humanität, Zusammenarbeit, “Good Government” und „Freiheit“ antreten. Ihr Wirkung ist eine andere: Zersetzung, Aushöhlung der Souveränität der Nationalstaaten, Unruhen, ”Farbenrevolutionen”. Das Ziel erscheint offensichtlich: Das Destabilisieren missliebiger Staaten und das Aussteuern von Regierungen/Regionen ins Flussbett der eigenen Interessen.


Soros und die CIA unterstützen in diesem Sinne auch OTPOR. Die rührige Aufstandstruppe wurde in den 90iger Jahren gegründet, um ganz konkret einen Regierungswechsel in Serbien auf den Weg zu bringen. Seitdem war sie in alle Farbenrevolutionen involviert – von der Ukraine, über Georgien über Ägypten bis nach Russland. Ihre Spezialität ist das Aufziehen von Kleingruppen, aus deren Zusammenwirken sich zunächst friedliche und bald gewalttätige Umsturzbewegungen herauskristallisieren. Das Logo von OTPOR: die geballte Faust. Pussy Riot stellt es als PopArt-ID gern zur Schau, häufig sind Fahnen mit dem Organisationsemblem auf Anti-Putin-Demonstrationen zu sehen, bei denen Pussy Riot „acten“. OTPOR ist stets zur Stelle, wenn es gilt, eine Administration ins Wanken zu bringen, die sich freundlichen Übernahmeversuchen von jenseits des Antlantiks entzieht. „Frischeingesetzte“ OTPOR-Regierungen fallen durch erstaunliche Kooperationswilligkeit auf; in den meisten Fällen – wie in der Ukraine – ist ihr erster diplomatischer Weg ein Bittgang zu westlichen Banken. Was die neugewonnenen Abhängigkeiten zwar nicht auf Bajonette stützt aber kaum weniger effektiv gestaltet.

DorianGrey hinterfragt gerne Hintergründe, die von der Masse der Mainstreammedien lagerübergreifend „übersehen“ oder einseitig dargestellt werden. Bei Pussy Riot ist das der Fall. Gerade auch, wenn man die Faktenlage gegen vergleichbare „Skandale“ im Westen abgleicht. Die Massenverhaftung von Tausenden friedlichen Anti-Wallstreet-Demonstranten in New York rief im Oktober 2011 keinen Aufschrei in Funk und Fernsehen hervor. Die Torturen des Wikileaks-Informanten Bradley Manning in amerikanischen Militärgefängnissen finden abseits der Seite-1-Reportagen statt. Was in den veröffentlichten Meinungen los wäre, wenn Politpunks eine Synagoge zu einem öffentlichkeitswirksamen Protest gegen Premierminister Netanjahu oder die Geistlichkeit stürmen würden, ist klar. Die Presselandschaft würde in dem Fall – zu Recht – die Empörung befeuern; und zwar die Empörung gegen die Spontiaktivisten. Gespiegelt mit der sogenannten „Putin-Rechtsprechung“ ist also die Frage erlaubt, welchen Antrieben „unsere“ Medien wirklich folgen. Und: welchen Antreibern. Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Prozess schlicht als Hebel gegen die russische Führung genutzt wird, die im Gegensatz in den transatlantischen Staaten seit langem mit einer schlechten Presse konfrontiert ist. Putin trat stets als ein erklärter Gegner einer NATO-Einmischungspolitik in Erscheinung, sei dies in Nah/Mittelost, in Nordafrika oder in Osteuropa. Man sollte auch hier eins und eins zusammenzählen.